Jeantex-TOUR-Transalp 2005
Es begann im Oktober 2004: Heinzi Schilcher spricht zum ersten Mal während des Bike-Biathlons in Huglfing über die Jeantex-Tour-Transalp. Einen Monat später ruft Lars Bresche bei mir (Bernd) an mit der Anfrage um Teambildung. Zack das wars. Fast 8 Monate später stehen wir beide mit der Nummer 182 als Team "Audi Osenstätter Traunstein" an der Startlinie in Oberammergau - unglaublich. 

Zusammen mit Lars' Freundin Silke Pokrop und deren Teampartnerin Marie-Louise Bol aus Holland (Team "Vrienden van Noord Veluwe") gingen wir die Woche an.

In den Monaten zuvor wurden Hotels und Pensionen gebucht, viele E-Mails ausgetauscht und natürlich fleißig trainiert. Mit gut 7.000 km hatten jeweils Lars und ich genug auf dem Tacho, um sich ehrgeizige Ziele zu setzen: Das hieß unter die TOP 50  zu fahren!

   


Etappe 1: Oberammergau - Imst (26.06.2005)

109,43 km - 2.226 hm
Pässe: Ammersattel (1115m) – Kelmen/Namlos (1359m) – Hahntennjoch (1894m)

 

 

Die lange Zeit seit der Anmeldung bis zum Start ist nun vorbei! Über ein halbes Jahr ist seit dem Anruf von Lars ins Land gezogen, nun stehen wir gemeinsam am Start der Transalp als Team "Audi Osenstätter Traunstein" stehen. Die Akkreditierung am Vortag war schon mal ziemlich beschissen, über 2 Stunden haben wir uns die Beine in den Bauch gestanden. Egal, nun geht es los!

Jeder von uns hat gut über 7.000 km drauf, wir peilen Platz 50 an. Was die Konkurrenz zulässt, muss man aber erst abwarten. 

Um 10 Uhr gibt Rosi Mittermaier bei bestem, fast zu heißem Wetter den Startschuss zur Hatz über das Gebirge. Die neutralisierte Phase ging ziemlich lang, entsprechend kriminell war auch die Fahrt über Linderhof, Ammersattel und Plansee nach Reutte: Der Gegenverkehr wurde nur angehalten und nicht von vornherein ausgesperrt, die entsprechenden Verengungen wurden vom nervösen Feld mit einigen Stürzen quittiert. Böse böse...

Nach Reutte geht es endlich nennenswert bergauf und das Feld reißt auseinander. Das Flachstück hin zum Namlos-Tal wird ziemlich gebolzt, mit der Konsequenz, dass ich bereits zu Beginn der Steigung etwas geplättet bin. Klasse. Der Tritt ist aber schnell wieder gefunden, bis Kelmen rollte es gut dahin. Ab Stanzach ging es mit Elan Richtung Hahntennjoch, das mir schon größte Sorgen bereitete. Und diese Sorgen war nicht ganz unbegründet, denn das Joch hat es in sich. Brutal heiß geht es her, denn der untere Abschnitt ist eindeutig der steilere. Lars ist gut drauf, wegen seiner Einlage-Sohlen hat er aber etwas Probleme und bleibt am Joch eine knappe Minute hinter mir, Gabi gibt noch letzte Zwischenstände durch. Gemeinsam fahren Lars und ich dann ab nach Imst. Die Zeitnahme Imst kommt überraschend früh, so ist zumindest der gefährliche und sinnlose Sprint um Platz xy umgangen. Gut gemacht!

Mit 3:34.58 bleiben wir satte 0:21.24 hinter den Schnellsten, ist aber ok. Platz 61 gesamt, d.h. angepeilter Platz 50 (und damit Block 1) ist nicht erreicht, aber in greifbarer Nähe. Schneller ging es halt nicht...

Nach einiger Zeit bei praller Sonne im Zielbereich geht es in die Unterkunft, die Taschen kommen etwas verspätet. Die Ferienwohnung ist sehr geräumig und zur Pasta-Party ist der Weg auch nicht weit. Bei der Essensausgabe stehen wir wieder 45 Minuten, das fängt an zu nerven. Wenigstens hat sich das Anstehen gelohnt, die Mahlzeit ist üppig ;o)

 

Platzierung heute

Herren 37.

Gesamt 

Platzierung gesamt

Herren 37.

Gesamt

Fahrzeit: 3:34.58

+ 0:21.24 h

+ 0:21.24 h

Unterkunft

Zangerle Alexander, 

Thomas-Walchstr. 18

64600 Imst

Tel. 0043(0)5412/66053

 

Ferienwohnung, sehr geräumig

Wetter

>30oC    

 

Etappe 2: Imst - Ischgl (27.06.2005)

146,73 km - 3.195 hm

Pässe: Arlberg (1793 m) – Bielerhöhe (2037 m)
 

 

Schon zum Start um 9 Uhr war es viel zu warm, was insbesondere für mich ein Problem werden sollte. Aufgrund einer Baustelle vor Pettnau war das Rennen bis dorthin neutralsiert, d.h. ca. 35 km im Block fahren...Hölle. Gottlob hat uns-Uli die Blockteilung mit den Motorrädern bis Freigabe aufrecht erhalten, sonst wäre das sicher dumm ausgegangen. Aber:Da kullert mal eben eine Trinkflasche vor das Vorderrad, dann bremst wieder der Tross bis fast auf null runter. Furchtbar. Dann Rennfreigabe, und spätestens ab Ausgang St. Anton zerlegt sich mit dem Anstieg zum Arlbergpass das Feld in seine Einzelteile. Jeder Meter, der in der Galerie bzw. im Schatten gefahren werden durfte, war schön, alles andere bereits jetzt zu heiß. In der langen Abfahrt vom Arlbergpass  kann ich am Tunnelausgang eine neue persönliche Bestmarke mit 95 km/h verbuchen, hier war wenigstens genügend kühlende Zugluft vorhanden ;o)

Leider steigt die Straße ab Bludenz - unvermeidlich - wieder talaufwärts an, die Gruppe gibt gut Gas, v.a. bringt vor Gaschurn Bewegung in die Gruppe und mich ins Schwitzen. Am Anstieg in der Silvretta-Hochalpenstraße zur Bieler Höhe lässt Lars die Kurbel tanzen und rollt scheinbar mühelos hinauf, während ich in der Hitze schon relativ weit unten regelrecht explodiere. Im oberen Teil teilt Lars dieses Schicksal, muss aber dennoch einige Minuten auf mich warten. Gemeinsam treten wir wieder die Abfahrt an, ich bin platt wie Flunder und Lars zieht seine 53/12 kräftig durch. Bei mir ist bei Galtür bereits die Reserve fast leer gefahren, das Ziel erreiche ich mit dem sprichwörtlichen letzten Korn. Als Quittung fallen wir auf Platz 66  (gesamt) zurück, bereits 10 Minuten fehlen auf Platz 50. Scheisse...

 

Platzierung heute

Herren: 

Gesamt:

Platzierung gesamt

Herren: 40.

Gesamt: 66.

Fahrzeit: 5:24.06

heute + 0:34.2 h

gesamt + 0:55.43 h

Unterkunft

Haus Val Gronda/Fam. Stark

Hnr. 213

A-6561 Ischgl

0043(0)5444 5416 

valgronda@aon.at

tolle, moderne Zimmer! 

DZ € 50,- mit Frühstück

Wetter

>30oC    

 

Etappe 3: Ischgl - Scuol (28.06.2005)

101,54 km - 2.223 hm

Pässe: Tobadill (1138 m) – Pillerhöhe (1559 m)
 

 

Auch heute scheint es nicht wirklich kühler zu werden, das treibt mir nach dem gestrigen Tag wirklich die Sorgenfalten ins Gemüt. Wieder werden die ersten 20 km neutralisiert, die Abfahrt aus dem Paznauntal scheinen ohne Neutralisation noch gefährlicher zu sein. Nun gut, man gewöhnt sich an viel...

Schneller als erwartet kommt der kurze, giftig erscheinende Anstieg nach Tobadill, frisch gestärkt wird die Anhöhe auch aggressiv erklommen. Die Abfahrt nach Landeck hält mehrere Kehren bereit, eine der ersteren ist sehr übel, da sie nach hinten nochmal 'zumacht'. Hier soll es auch mehrere Stürze gegeben haben. Stellenweise sind die Straßen von einem nächtlichen Gewitter noch nass. Über Fließ geht es aber zum Hammer des Tages, wenn  nicht der Woche: Die Pillerhöhe mit Steigungswerten über 20%, und das für mehr als ein paar Meter. Der obere Teil wird wieder zahmer, doch das hat schon reingehauen. Die Abfahrt nach Prutz verläuft unruhig, die Straße ist nicht gesperrt und wegen der hohen Geschwindigkeiten auch stellenweise schlecht einsehbar. Ein paar Plätze gehen für die Sicherheit drauf, was solls. Ab Prutz beginnt eine gandenlose Ballerei über Tösens nach Martina hinein ins Engadin. Manche Teams haben übel Druck, (z.B. platzen wir vom Hinterrad des Teams 11), andere haben Schwierigkeiten zu folgen. Ab Grenzübertritt hat sich aber ein gut harmonierendes Grüppchen mit 8 Leuten gebildet, die sich wunderbar abwechseln und sicher etwas aufholen können. Dumm war nur, dass hinter mir ein ehemaliger Profi-Triathlet in der Reihe war: Holger Lorenz, 8. auf Hawaii, Sieger des Ironman Australien. Hat mich hinterher beruhigt, denn als der in der Führung war, bin ich hinten fast 2-3 mal rausgeflogen...  Etwas Freude kam ins Feld, als das Favoritenteam für die Grandmasters-Wertung Pritzl/Bart genau vor uns einen Defekt behoben hatten und sich von nun an vor unsere Gruppe spannten, um wieder aufzuholen. Irre Tempo! Kurz vor Scuol schickt uns Uli, der Mörder, noch nach Sent hinauf. Nach der langen Bolzerei noch so einen Anstieg serviert zu bekommen, ist nicht jedermanns Sache. Ich komme überraschend gut mit Pritzl/Bart und dem irren Triathleten rauf, Lars ist knapp dahinter. Nach Scuol rauscht es schnell runter, das letzte Team vor dem Ziel können wir über das historische Kopfsteinpflaster aber nicht mehr holen.

Verpflegung im Ziel ist top, aus dem Brunnen kommt sogar Mineralwasser!

 

Platzierung heute

Herren: 24.

Gesamt: 

Platzierung gesamt

Herren: 36.

Gesamt: 61.

Fahrzeit: 3:21.36

heute + 0:14.10 h

gesamt + 1:09:25 h

Unterkunft

Hotel Panorama

CH-7550 Scuol Engadin

Tel. (081) 864 10 71

http://www.panorama-scuol.ch

tolle, moderne Zimmer! 

Wetter

>30oC    

 

Etappe 4: Scuol – Pontresina (29.06.2005)

127,62 km - 3.613 Hm

Pässe: Ftan-Boscha Flüelapass (2.383 m) – Albulapass (2.312 m)
  

   

  

Gleich zu Beginn schickt uns Uli „der Mörder“ einige Höhenmeter bergauf. Passt nicht gut zum vollen Frühstücksmagen… es läuft aber gut bei uns! Das Wetter ist mal wieder einen Tick zu heiß, das soll sich aber noch ändern. Nach dem Auf und Ab gelangen wir wieder auf die Hauptstraße am Talgrund. Kurz vorher hätte ein Bahnübergang beinahe unser Team getrennt, das Licht stand schon auf Rot, die Schranken waren aber noch offen, Glück gehabt. In Susch zweigt das Feld dann zum Flüela-Pass ab. Ich muss unten am Brunnen noch die Flaschen mit kühlem Wasser füllen, denn noch mal so eine Hitzeexplosion wie an der Bieler Höhe brauch ich nicht mehr. Lars fährt mit der Gruppe wie abgesprochen weiter. Perfektes Timing ermöglicht den Zusammenschluss des Teams kurz vor der Passhöhe, wo es zur Verpflegung auch noch ein paar dankbar kühlende Regentropfen gibt. Eine lange Abfahrt führt uns hinunter nach Davos, weiter drohen dunkle Wolken und ein paar Regentropfen. In einem langen, abschüssigen Tunnel wird’s dann richtig frisch, aber es läuft super dahin. Lars geht wegen der Sturzgefahr im Tunnel nicht aus der Führung, so verpasst er eine nette Attacke: Nach dem Tunnel kommt ein Gegenanstieg mit ca. 200 hm. Die Gruppe schaltet viel zu früh in die kleinen Gänge, was förmlich zu einem Durchwuchten der dicken Scheibe animiert. Schnell war ich ein paar hundert Meter voraus. Die restliche Bergabfahrt traten Lars und ich voll durch, nur ein ängstlicher Reisebus störte unsere Attacke. Einmal mehr bestätigte sich der Wahnsinn, bergab zu attackieren: Die Rache folgte am Albulapass. Aber es hat halt nun mal so verdammt viel Spaß gemacht :o)

Mit den letzten Getränkeresten schleppe ich mich zur Labe vor dem Albulapass (im Folgenden Abdullah-Pass genannt). Lars ist hier etwas besser drauf, er macht schönes Tempo, dem ich besser im Windschatten folge. Die letzten Kilometer werden zur Passhöhe werden von Blitz und Donner, Regen und straffen Windböen begleitet. Die Temperatur fällt rapide, stellenweise fällt einem die Orientierung schwer. Oben angekommen haut sich Lars in die Fluten und ich muss sehen, dass ich nicht wieder abplatze. Gelingt so einigermaßen, die Abfahrt war im patschnassem Zustand und bei noch kümmerlichen 8° C kein Spaß. Der begann aber wieder auf der Engadiner Hauptstraße in Richtung St. Moritz, zumindest für Lars. Der hatte hier aus meinen Augen einen seiner stärksten Momente der Woche. Im Regen ballerte er im Flachstück wie ein Verrückter. Wir holten Gruppen ein, die sich dem Tempo anschließen wollten, aber nicht lange konnten. Alle platzten ab und mir war auch schon ganz anders. Schließlich konnte ich noch wenigstens etwas Ortskenntnis am Kreisverkehr Samedan beisteuern, da hier sehr schlecht beschildert war. Richtig eingewiesen stampfte Lars wie ein tollwütiger Ochse die leicht ansteigende Straße nach Pontresina rauf. Zu allem Überfluss hatte man das Ziel in die Ortsmitte gelegt, was noch die Überwindung einer Steigung bedeutete. Die Zielgerade sah fantastisch aus: Eine lange, aufsteigende Gerade bei vielen Leuten links und rechts. Schade, dass Lars mich so kaputt gemacht hat, das wäre sonst ein höllisches Finale geworden ;o)

Im Ziel scheinte dann wieder die Sonne, beste Verpflegung baute die müden, unterkühlten Körper wieder notdürftig auf. Noch ein Mozzarella-Brot eingesteckt und ab zur Unterkunft und warmen Dusche! Leider waren die Taschen nass angekommen, war nach dieser Regenfahrt nicht nett. Aber was solls, ein paar Dinge waren ja noch zu gebrauchen. Bei der Verlade-Aktion hat mir dann jemand meine Mozzi-Semmel geklaut… in diesem Moment spielte jemand – vermutlich ohne es zu wissen – mit seinem Leben. In der Jugi war heute 4-Bett-Zimmer mit dem Damen-Team angesagt, was der angeknacksten Stimmung nach der schweren Etappe nicht unbedingt zuträglich war. Ging aber auch vorüber.

Pasta-Party ließen wir aus, denn erstens haben wir Abendessen mitbestellt und zweitens hats draußen zu sehr geregnet. PP soll aber sehr gut gewesen sein.

 

Platzierung heute

Herren: 33.

Gesamt

Platzierung gesamt

Herren: 36.

Gesamt

Fahrzeit: 5:16.01

heute + 0:40.20 h

gesamt 

Unterkunft

Jugendherberge "Tolais"
beim Bahnhof
CH-7504 Pontresina 

http://www.youthhostel.ch/pontresina

  Zimmer in Jugendherbergsstil, aber alles tiptop!

Wetter

30-8oC  

 

Etappe 5: Pontresina – Bormio (30.06.2005)

134,33 km - 3.161 Hm

Pässe: Ofenpass (2149 m) – Stilfserjoch (2761 m)
   

  

Der Start fällt bei bestem Wetter und prächtiger Zuschauerkulisse im Herzen Pontresinas. Einmal mehr steht erst mal eine lange neutralisierte Phase bis hinunter nach Zernez an. Nach ruhigem und vernünftigem Beginn (von bekannten Ausnahmen abgesehen) rollt es gut dahin, bis die wichtigen Leute aus Block nach 10 km wieder beginnen, in der neutralen Phase Pinkelstopps einzulegen und dann wieder nach vorne zu preschen, das findet reichlich Nachahmer und bringt so auch ein wildes Durcheinander in den eigentlich streng eingeteilten Blöcken. Natürlich sind auch wieder Stürze die Folge. In Zernez beendet allerdings die Auffahrt zum Ofenpass dieses Gezeter. Es rollt prächtig bei Kaiserwetter auf der Königsetappe! Am Passo del Fuorn bin ich einen Tick schneller als Lars, der Vorsprung reicht aber nicht mal zur Bananenaufnahme und Pinkelpause. Die Abfahrt hinunter ins Val Müstair wird zu einem Glanzlicht der Woche, denn mit einer kleinen, feinen Gruppe donnern wir mit Anschlag in Richtung Vinschgau. V.a. Lars Bekannter namens Sepp besticht durch seinen hervorragenden Abfahrtsstil – was für ein Ritt bergab! Flott fliegen wir über die Grenze nach Italien und rollen weiter hinab bis Prad, wo eine scharfe Rechtskurve die Abfahrt beendet und von nun an für eine ganze Weile das Vorderrad wieder höher stehen lässt als das hintere: Die Straße zum Stilfser Joch beginnt. Satte 1800 hm am Stück stehen nun auf dem Programm, was aber für jeden Radler ein Hochgenuss sein sollte (wenn man nicht gerade einbricht wie Ivan Basso). Auch hier scheine ich heute die besseren Haxn zu haben als mein Teampartner, die Unterschiede sind aber wie immer minimal. Die 48 Kehren meistern wir gut, es machte riesig Spaß! Oben auf der Passhöhe stehen viele Zuschauer, Lars bemerkt den Wurstgrill gar nicht… Die anschließende Abfahrt nach Bormio war toll. Gut, das uns-Uli vor den kurzen, unbeleuchteten Tunneln gewarnt hat, denn manche machen einen rabiaten Rechtsschwenk im Dunkeln. Zieleinlauf in Bormio war wie ein Befreiungsschlag, das vermeintlich schwerste Stück der Woche war mit Erfolg geschafft. Der Marktplatz war auch eine nette Kulisse mit intensivem italienischen Flair – Klasse. Nur die Zielverpflegung war etwas spartanisch und auch noch zu knapp bemessen, hier legten die Orte vorher die Messlatte schon hoch.

Die Unterkunft war wieder zu viert, heute weniger Stress. Bis zur Pasta-Party konnte der Magen heute aber nicht warten, Supermarkt war aber gleich um die Ecke. Ein Volltreffer, denn PP war heute eher nicht so der Hit. Seltsame graue Pampe mit ehemals frischem Salat. Fertig. Mitradler beschwerten sich am nächsten Tag auch noch von Nepp bei den Hotels, als man über Nacht irgendwelche Zuschläge aus dem Hut zauberte. Unser Hotel war dahingehend schwer ok, wir durften Wäsche waschen und die überdachte Leine benutzen. War auch gut so, schließlich kam abends auch wieder gewittriger Regen. Das wiederum kulminierte um ca. 1.30 Uhr in einem gewaltigen Donnerschlag, der vermutlich sämtliche Bewohner Bormios senkrecht im Bett stehen ließ – bemerkenswert. Auch der anschließende Platzregen.

  

Platzierung heute

Herren: 30.

Gesamt: 

Platzierung gesamt

Herren: 34.

Gesamt: 56.

Fahrzeit: 5:03.24

heute + 0:34.28 h

gesamt +2:24.32

Unterkunft

Hotel Stella

23032 Bormio 

0039(0)342 910397

stella@bormio.it

  Zimmer ok!

Wetter

20-27oC    

 

Etappe 6: Bormio – Madonna di Campiglio (01.07.2005)

94,63 km - 2974 Hm

Pässe: Passo Gavia (2652 m) – Passo Tonale (1852 m) – P. Carlomagno (1682 m)

  

  

Vor dem Frühstück werden routinemäßig die Taschen abgegeben – Abholung ab 7 Uhr! Das wurde heute erstmalig zu einem Problem, da die Kleiderwahl nicht ganz so einfach war wie die Tage zuvor. Jacke kam in Betracht, wurde aber wieder verworfen, weil Wetterbericht so schlecht nicht war. Lars beherzigt meine Überlegungen und nimmt Langarm-Textil mit. Sehr weise, denn kaum waren die Taschen weg, hat es zu regnen begonnen. Und ich war –wie viele andere – etwas ärmlich mit Ärmlingen und Weste ausgestattet. Am Startblock tristesse pur, Schinder-Hannes verhöhnt alle mit seinen Sprüchen:“Zieht Euch warm an!“ Toll, wie denn? Er fährt fort:“ Am Gavia-Pass oben hat es dezeit 3° C …“. Das baut auf, wenn man vorher schon weiß, dass man oben halb stirbt. Das Rescue-Team wird heute schon vor dem Start umlagert, es gibt Melkfett für die Haxn! Hilft nicht viel, aber jede Hilfe wird jetzt angenommen, ab in die Auffahrt! Es rollt gut im Regen, der mit der Zeit aber dann doch nachlässt. Schon in der Auffahrt frierts mich in den Schuhen, wie soll das bloß abwärts gehen? Dann der Schock: Über uns ist sogar der Schnee liegen geblieben! Auf der Passhöhe kommt noch Wind dazu, fertig ist das Kühlschrank-Klima. Ein mitgenommener Plastikfetzen wird schnell zu Windstopper-Socken verarbeitet, das gibt den Zehen wenigstens den Hauch einer Überlebenschance. Inzwischen ist Lars über den Pass und schon nach unten. Ich muss mich zusammenreißen, um schlotternd die Bremshebel bei der schlechten Straße unter Kontrolle halten zu können. Einige Konkurrenten haben das sichtlich besser im Griff. Sehr übel war der Tunnel, der aber behelfsmäßig von den Begleit-Motorrädern ausgeleuchtet wurde. Naja, die Blinker hatten als Orientierungshilfe mehr Nutzen als die Scheinwerfer. Aber mehr kann man halt nicht machen. Lars fuhr den Tonale schon langsam an, um nicht zuviel Zeit zu verlieren. Angeblich hielt sich mein Rückstand auch in Grenzen. Gemeinsam erklommen wir den Passo Tonale und ließen es diesmal auch gemeinsam flott bergab rollen. Zu flott für die kleine Gruppe, die vor den stellenweise feuchten Asphaltstreifen mehr Respekt hatte. Im unteren Bereich hat der Tonale eh fast keine Kurven mehr, Bremsen war also überflüssig. Bis Dimaro hatte sich dann aber doch wieder eine 20er Gruppe gefunden, die sich am letzten Anstieg des Tages hinauf nach Madonna di Campiglio aber wieder schnell auflöste. Lars ging den unteren Bereich noch verhalten an, ich wäre wieder viel zu schnell in den Berg reingekracht. Kontinuierlich steigerten wir auf den knapp 20 km bis zum Scheitelpunkt das Tempo und holten uns so noch einige Konkurrenten, die in der Wertung noch vor uns lagen. Die letzten Kilometer waren der Wahnsinn, diesmal durfte ich die Lokomotive geben. Wenige km vor Madonna rauschten wir auch noch am Sepp vorbei, what a feeling! Wir erreichen unter Volldampf und mit nicht mehr ganz vollen Kesseln die Passhöhe und erwarten eine abschüssige Zieleinfahrt – doch wir müssen noch durch den Umgehungstunnel und das Ziel von unten her anfahren. Also noch mal aufs Pedal gedrückt, um auch ja nix zu verschenken…

Im Ziel gab es dann - zumindest für die vordere Hälfte der Ergebnisliste – lecker Schinkensemmeln und Tee. Wir starten aber schnell durch zum Hotel, zu sehr steckt noch das Kältegefühl vom Gavia in den Knochen. Hotel lag super, direkt neben Pasta-Party-Bereich! Duschwasser war nicht durchgehend heiß, aber egal. Taschen waren auch noch nicht da, auch egal. Nur essen, warm waschen und hinlegen waren die nun begehrten Tätigkeiten.

Pastaparty war wieder ok und auch der Abend noch ganz nett. Ein Bier zum Schluss und die finale Etappe kann kommen. Wäre doch gelacht, wenn wir Platz 50 nicht doch noch kriegen würden!

  

Platzierung heute

Herren

Gesamt

Platzierung gesamt

Herren: 34.

Gesamt: 58.

Fahrzeit: 4:17.45

heute + 0:46.1 h

gesamt + 3:00.52 h

Unterkunft

Hotel Italo

Via Vallesinella, 11

38084 Madonna di Campiglio

Tel. 0039 (0)465/441392

http://www.hotelitalo.com

info@hotelitalo.com

  Zimmer ok!

Wetter

18-3oC    

Etappe 7: Madonna di Campiglio – Riva del Garda (02.07.2005)

70,69 km - 1.418 hm

Pässe: Passo Daone (1281 m) – Passo Duron (1010 m) – Passo Ballino (758 m)
    

   

Was für ein Wetterchen: Schöner kann man es gar nicht bestellen: Stahlblauer Himmel, lauschig warm und keine Wolke vom Wetterbericht erwähnt. Wir kommen spät in den Startblock, es eilt ja nix. Vorne ist eh immer arges Gedränge und natürlich ist auch heute wieder die komplette Abfahrt auf ca. 20 km Länge neutralisiert. Vielleicht wäre es aber doch geschickter gewesen, sich weiter vorne zu platzieren, denn der versteckte Weg, den Uli „zufällig“ gefunden hat, war ziemlich schmal und somit für Überholmanöver schlecht geeignet. Irgendwie wurschtelten wir uns aber dann doch durch und zogen noch beim ersten Anstieg bei Hans und Marc – den beiden Holländern auf unserer Prioliste ;o) – ein! Das ist uns diese Woche nur 2x gelungen, mit dem Unterschied, dass sie heute auch hinter uns bleiben werden. Ein kleiner Vorsprung von mir auf Lars reicht genau, um die Disbalance auf der Abfahrt wieder auszugleichen. Perfekt! Kaum unten angekommen, geht es schon zur nächsten Steigung. Diesmal eine schöne, ruhige, breite Straße. Wir sind von Teams umgeben, die wir die ganze Woche noch nicht gesehen haben, soweit vorne sind wir. Dann treffe ich noch auf meinen Freund von Etappe 3, der irre Ex-Profi-Triathlet. Der fährt wirklich wie ein Moped, konstante Trittfrequenz, keine Wackler, genialer Tritt. Heute kann ich ihm problemlos folgen, ja noch besser, sogar überholen! Was ist heute los? Ich muss mir unbedingt noch was von der Marmelade aus dem Hotel besorgen, soviel Druck kann man nach so einer Woche doch gar nicht haben… Lars hat die Lage erkannt und mir für den Fall, dass ich schneller oben bin wie er, gleich den Auftrag zu geben, noch mal beide Flaschen zu füllen. Somit sparte er sich eine Stop. Genial, mein Käptn! So zogen wir weiter und waren von uns selbst wohl mehr verblüfft als irgend jemand anders. Mit Volldampf überrollen wir die Kuppe vor Tenno und fahren in die letzte Abfahrt, keine Sekunde wird verscherzt, jetzt soll es auch nicht mehr am Kampfgeist fehlen. Die vorverlegte Zeitschleife überquert Lars knapp vor mir, ins Ziel nach Riva rollen wir Hand in Hand – wie (fast) alle anderen auch. Und siehe da: Gesamtwertung Platz 50 für Audi Osenstätter Traunstein! Punktlandung mit der letzten Kurbelumdrehung, denn wir sind nach einer Fahrzeit von 29:14.02 Stunden zeitgleich mit einem holländischem Team! Aber die letzte Etappe entscheidet scheinbar. :-)

Den einzigen Wermutstropfen des Tages muss man von der Tour de France einstecken. Ullrich wird im Zeitfahren von Armstrong ÜBERHOLT. Scheisse…

Der Feier tut das aber keinen Abbruch, bis um ca. solala 3.30 Uhr wird der Bierhaushalt wieder ausgeglichen.

Gewohnheitsmäßig wird trotzdem um 9 Uhr wieder das Rad in Bewegung gesetzt, schließlich muss ich noch nach Rovereto zum Bahnhof. Mit  Zug bis Bozen (kostete gerade mal € 3,60) und von dort weiter mit dem Finisher-Trikot in Richtung Brenner. Seltsamer Weise waren die Haxn immer noch brillant zum Radfahren, man sollte gar nicht aufhören… Hinter Brixen hatte die Tour aber ihr endgültiges Ende, denn Gabi kam mit dem Auto – wie vereinbart - aus Corvara vom Maratona dles Dolomites und sammelte mich auf.

   

Platzierung heute

Herren: 18.

Gesamt

Platzierung gesamt

Herren: 31.

Gesamt: 50.

Fahrzeit: 2:16.09

heute + 0:08.24 h

gesamt + 3:09.04 h

Unterkunft

Hotel Villa Giuliana

via Belluno 12
Tel. +39 0464 553338

http://www.hotelvillagiuliana.it

info@hotelvillagiuliana.it

  Zimmer sehr schön, aber etwas teurer.

Wetter

20-30oC    

 

Fazit: Eine intensive, absolut geile Woche! Vor allem nach dem Tiefpunkt bei Etappe 2 hätte ich nicht gedacht, bei dieser Tour noch mal Spaß auf dem Rad haben zu können. Mit dem Verlauf der Woche kamen wir ab Mitwoch immer besser in Tritt. Am Samstag war es richtig schade, dass diese Rundfahrt schon wieder vorbei war. Trotz der erschreckend hohen Gebühr bereuen wir die Teilnahme nicht, die Organisation war nicht besser hinzubekommen, dafür allen Helfern vielen Dank! Es war eine fantastische Zeit, die ich lange in guter Erinnerung behalten werde. Das Zusammenspiel mit Teampartner Lars war ebenfalls spitze. Ich denke, viel besser kann man während einer ganzen Woche als 2er Team auf dem Rennrad nicht harmonieren. Danke auch hierfür!

 

 

 

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